Mobiler Notruf mit GPS: Funktionen, Kosten und worauf Sie achten sollten
Redaktion caalyx.eu · Stand 20. Oktober 2026
Ein mobiler Notruf mit GPS ist ein tragbares Gerät mit Notrufknopf, das über Mobilfunk eine Sprechverbindung zu einer Notrufzentrale aufbaut und Ihren Standort per GPS übermittelt, auch beim Spaziergang, im Garten oder unterwegs. Die Pflegekasse bezahlt bei Pflegegrad den stationären Basis-Hausnotruf für die Wohnung (Basistarif seit 01.04.2026: 27 € netto im Monat, sofern der Anbieter einen Vertrag mit Ihrer Kasse hat). Ein mobiles Gerät mit Ortung zahlen Sie in der Regel selbst.
Hausnotruf und mobiler Notruf: der Unterschied
Beide Systeme verbinden Sie per Knopfdruck mit Menschen, die Hilfe organisieren. Der Unterschied liegt darin, wo das funktioniert.
| Merkmal | Hausnotruf (Basis) | Mobiler Notruf mit GPS |
|---|---|---|
| Reichweite | Wohnung und nahes Umfeld der Basisstation | Überall mit Mobilfunknetz |
| Technik | Basisstation plus Funksender (Armband oder Kette) | Ein Gerät mit SIM-Karte, Mikrofon, Lautsprecher, GPS |
| Ortung | Nicht nötig, Adresse ist bekannt | Standort wird bei Alarm übermittelt |
| Strom | Basisstation am Netz | Akku, muss regelmäßig geladen werden |
| Kostenübernahme Pflegekasse | Ja, bei Pflegegrad und Voraussetzungen | In der Regel nein |
Viele Anbieter bieten den mobilen Notruf als Zusatz zum Hausnotruf an. Die Pflegekasse beteiligt sich dann am Basistarif, der Aufpreis für das mobile Gerät bleibt bei Ihnen. Rechtsgrundlage für den Hausnotruf als technisches Pflegehilfsmittel ist § 40 SGB XI. Details zur Erstattung finden Sie im Ratgeber Hausnotruf: Kosten und Zuschuss.
Welche Funktionen ein mobiler Notruf haben sollte
Ortung
Das Gerät bestimmt seine Position über GPS, oft ergänzt durch Mobilfunk- oder WLAN-Daten, wenn in Gebäuden kein GPS-Empfang besteht. Wichtig ist, dass der Standort bei einem Alarm automatisch an die Zentrale geht. Manche Geräte erlauben auch eine Ortung durch Angehörige per App, was Sie bewusst ein- oder ausschalten sollten.
Sprechverbindung
Nach dem Druck auf den Notrufknopf spricht die Zentrale über das Gerät mit Ihnen. Achten Sie auf einen lauten, klaren Lautsprecher und darauf, dass Sie das Gerät nicht ans Ohr halten müssen. Gerade nach einem Sturz ist Freisprechen entscheidend.
Sturzerkennung
Einige Geräte enthalten einen Sensor, der typische Sturzbewegungen erkennt und selbst Alarm auslöst, wenn Sie nicht reagieren. Keine Sturzerkennung arbeitet fehlerfrei: Es kommt zu Fehlalarmen, und nicht jeder Sturz wird erkannt. Mehr dazu lesen Sie unter Sturzmelder und Smart Home.
Akku und Tragekomfort
Ein Notrufgerät hilft nur, wenn es getragen wird und geladen ist. Prüfen Sie, wie oft das Gerät geladen werden muss, ob es eine Ladeschale gibt, die sich leicht bedienen lässt, und ob die Zentrale bei schwachem Akku benachrichtigt wird. Ein geringes Gewicht und ein Clip, Band oder Halsband, das Sie gern tragen, erhöhen die Chance, dass das Gerät im Ernstfall dabei ist.
Notrufzentrale
Fragen Sie, ob die Zentrale rund um die Uhr mit geschultem Personal besetzt ist, in welcher Sprache sie spricht und wen sie im Notfall verständigt: Angehörige, einen Bereitschaftsdienst des Anbieters oder den Rettungsdienst. Bei manchen günstigen Geräten landet der Alarm nur auf dem Handy von Angehörigen. Das kann reichen, wenn diese zuverlässig erreichbar sind, ersetzt aber keine professionelle Zentrale.
Was kostet ein mobiler Notruf?
Die Kosten setzen sich meist aus Gerät oder Gerätemiete, monatlicher Grundgebühr mit Anbindung an die Zentrale und teils einer einmaligen Einrichtungsgebühr zusammen. Die Preise unterscheiden sich je nach Anbieter und Leistungsumfang deutlich, daher nennen wir hier keine Beträge. Vergleichen Sie Angebote immer schriftlich und achten Sie auf:
- Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist
- Kosten für Mobilfunk, sind sie enthalten oder kommen sie dazu?
- Kosten für Einsätze eines Bereitschaftsdienstes vor Ort
- Gebühren für Ersatzgeräte bei Verlust oder Defekt
Bei geringem Einkommen kann das Sozialamt im Einzelfall helfen. Wenn noch kein Pflegegrad besteht, lohnt sich oft ein Antrag, denn er öffnet den Weg zur Kostenübernahme für den Basis-Hausnotruf. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Pflegegrad beantragen.
Auswahl: Checkliste für den mobilen Notruf
- Wo halten Sie oder Ihr Angehöriger sich regelmäßig auf: nur in der Wohnung oder auch draußen?
- Ist die Mobilfunkabdeckung an diesen Orten gut?
- Kann die Person den Knopf sicher finden und drücken, auch mit eingeschränkter Feinmotorik?
- Ist die Sprechverbindung auch für Schwerhörige verständlich?
- Wird das Gerät wasserdicht genug für Dusche und Regen angeboten?
- Wer lädt das Gerät, und wer bemerkt, wenn es nicht geladen ist?
- Gibt es eine Testphase und eine kurze Kündigungsfrist?
Wenn die Person die Wohnung kaum noch verlässt, reicht häufig der Hausnotruf. Ist sie viel allein unterwegs oder neigt zu Orientierungsproblemen, kann ein mobiler Notruf sinnvoll sein. Besprechen Sie das gemeinsam, denn ein Gerät, das nicht akzeptiert wird, bleibt in der Schublade.
Datenschutz und Selbstbestimmung
Ein GPS-Gerät erzeugt Standortdaten, bei Sturzerkennung auch Bewegungsdaten. Klären Sie vor Vertragsabschluss:
- Wird der Standort nur bei einem Alarm übermittelt oder dauerhaft?
- Wer hat Zugriff, und wie lange werden die Daten gespeichert?
- Wo stehen die Server, und gibt es einen Vertrag nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)?
Eine Ortung durch Angehörige sollte nur mit Einwilligung der betroffenen Person erfolgen. Bei Menschen mit Demenz, die nicht mehr selbst einwilligen können, sprechen Sie mit der bevollmächtigten oder rechtlich betreuenden Person und im Zweifel mit einer Beratungsstelle. Dieser Ratgeber ersetzt keine rechtliche Beratung.
So gehen Sie vor
- Bedarf klären: Wohnung, unterwegs oder beides.
- Pflegegrad prüfen oder beantragen, damit der Basis-Hausnotruf übernommen werden kann.
- Zwei bis drei Angebote einholen und schriftlich vergleichen.
- Gerät in einer Testphase im Alltag ausprobieren, inklusive Probealarm.
- Notfallkontakte und Schlüsselfrage regeln.
Weitere Beiträge zu Notruf, Sensoren und Technik finden Sie im Themenbereich Hausnotruf und Technik. Anbieter in Ihrer Nähe zeigt unser Verzeichnis.
Häufige Fragen
Zahlt die Pflegekasse einen mobilen Notruf mit GPS?
In der Regel nicht. Die Pflegekasse übernimmt bei anerkanntem Pflegegrad und erfüllten Voraussetzungen den Basis-Hausnotruf für die Wohnung. Ein mobiles Gerät ist meist eine Zusatzleistung, die Sie selbst zahlen.
Brauche ich für einen mobilen Notruf einen Pflegegrad?
Nein. Als Selbstzahler können Sie einen mobilen Notruf ohne Pflegegrad nutzen. Ein Pflegegrad ist nur für die Kostenübernahme des Basis-Hausnotrufs durch die Pflegekasse nötig.
Funktioniert ein GPS-Notruf auch im Ausland?
Das hängt vom Tarif, der Mobilfunkkarte und der Notrufzentrale ab. Fragen Sie den Anbieter vor einer Reise ausdrücklich, ob Ortung und Sprechverbindung im Zielland funktionieren.
Wie lange hält der Akku eines mobilen Notrufgeräts?
Das unterscheidet sich je nach Gerät und Nutzung deutlich. Lassen Sie sich die Laufzeit im Alltag nennen und achten Sie auf eine Warnung bei schwachem Akku.